Primum Mobile
(2008)

Frauenstimmen
(Sopr., Mezzosopr. Alt)

Ensemble
(Fl, Sax, Tp, Pos, Kl, Schl, Vla, Kb)

Elektronik

60’

Anlass für die Komposition war das Buch "Primum Mobile - Dantes Jenseitsreise und die moderne Kosmologie" von Bruno Binggeli aus dem Jahr 2006. Der Schweizer Astronom vergleicht das Weltbild der modernen Astronomie mit dem mittelalterlichen Weltgebäude, durch dessen Räume Dantes visionärer Weg in der "Divina Commedia" führt. Dantes Primum Mobile ("erste bewegte Sphäre"), der äußerste letzte Raum vor dem raum- und zeitlosen Empyrium, erzeugt die Kraft welche den Übergang von einem Raum zum nächsten bewirkt.
Meine Komposition greift die Idee der Sphärenräume und Wandlungen von Dantes Paradies durch klangräumliche "Szenen" auf, durch räumliche Positionierung und Bewegung der Ensembleverstärkung und der Zuspielklänge.

Die Räume und Wandlungen spiegeln sich auch in der Auswahl von Gesangstexten wider. Sie entstammen zum einen Dantes Matelda, der Verkörperung der Muse im Irdischen Paradies auf dem Gipfel des Läuterungsberges - ein Ort der Tätigkeit um Ihrer selbst willen. Als ein Ergebnis dieser, kann man das doppelseitige Blatt mit Zahlenreihen und Buchstabenfolgen des Heilanstaltspatienten Josef Heinrich Grebing (1879-1940) sehen. Es ist Bestandteil der Prinzhornsammlung Heidelberg und Teile daraus werden als Sprachsamples zugespielt.
Weitere Gesangstexte stammen von Beatrice, Dantes Führerin vom Irdischen Paradies aus durch die Sphärenräume der Planeten und Sterne über das Primum Mobile bis ins Empyrium zur Transzendenz.

(Matthias Ockert 2008)
Auftragswerk der Hanne-Darboven-Stiftung

produziert am ZKM | Institut für Musik und Akustik 2008

Primum Mobile
wurde am 13.02.2007 von
Solisten der SCHOLA HEIDELBERG und dem ensemble aisthesis
unter der Leitung von Walter Nussbaum im ZKM_Kubus in Karlsruhe uraufgeführt.